Jahreskonzert des Mandolinen-Orchesters Zürich (MOZ) am 22. März 2026 im Ref. Kirchengemeindehaus Aussersihl, Zürich
Der Sonntagstermin des Konzerts des Mandolinen-Orchesters Zürich präsentierte sich als sonniger Frühlingsnachmittag, der zu schönen Spaziergängen und anderen Aktivitäten im Freien einlud. Dennoch war der Saal des Kirchengemeindehauses Aussersihl sehr gut gefüllt mit einem interessierten Publikum, das auf eine Stunde abwechslungsreiche und mitreissende Zupforchestermusik hoffen durfte, die das MOZ unter der Leitung von Melina Murray mit einem stilistisch weit gefächerten Konzertprogramm gestaltete.
Eine leichte und verspielte Tarantella des italienischen Meisters Gino del Vescovo eröffnete das Jahreskonzert des MOZ und bereitete die Zuhörerinnen und Zuhörer zugleich auf den ersten Glanzpunkt vor. Hier präsentierten sich mit den erst 13 und 15 Jahre alten Brüdern Leron und Elvin Ly zwei hervorragende junge Solisten im Konzert für zwei Solo-Gitarren und Zupforchester von Hermann Ambrosius. Ambrosius zeigt auch in diesem Werk seine typische eingängige und doch anspruchsvolle sowie stets fein justierte Klangsprache, die besonders im ausgedehnten Solopart des zweiten Satzes von den Brüdern Ly in packender Agogik und perfekter Spieltechnik interpretiert wurde. Das Publikum dankte ihren Auftritt und die feinfühlige Begleitung durch das MOZ mit langen Ovationen.
In eine andere Klangwelt entführte das Programm die Zuhörerinnen und Zuhörer danach mit der „Katzenfuge“ des barocken Cembalokomponisten Domenico Scarlatti, der das Thema anscheinend dem Herumtapsen seiner Katze auf der Tastatur seines Instruments abgehört hat. Melina Murray, die nicht nur das Orchester überzeugend auf das Konzert allgemein und besonders diesen interessanten musikalischen Schatz eingestimmt hat, bearbeitete das Werk auch selbst für ihr Orchester. Dadurch erhielt das Stück neuen Klangreichtum und die verschiedenen kontrapunktischen Stimmeinsätze wurden entzückend transparent und nachvollziehbar.
Die „Rumba catalan“ von Siegfried Behrend und ein im 7/8 Metrum erklingender Tanz aus der „Bulgarischen Suite“ des bulgarischen Komponisten und Musikethnologen Nikolai Kaufman erweiterten das musikalische Spektrum mit ungewöhnlichen und mitreissenden Rhythmen aus der Karibik und aus Südosteuropa.
In der „Suite Miniature“ des im Jahr 2017 verstorbenen Filmkomponisten Gerd Luft fiel es vielen Zuhörenden leicht, sich passende Bilder und Szenen vor dem geistigen Auge vorzustellen, weil Luft die fünf Sätze äusserst farbig und eindrücklich ausgestaltet hat.
Neben dem „Entertainer“ zählt der „Maple Leaf Rag“ zu den bekanntesten Kompositionen des in Texas geborenen Pianisten und Komponisten Scott Joplin, der mit seinen Ragtimes um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert eine der Grundlagen des sich später in New Orleans entwickelnden Jazz schuf. Das MOZ spielte diesen musikalischen Meilenstein in einer Bearbeitung von Hans Scherer. Auch die Zugabe führte noch einmal nach Amerika: Der kalifornische Stargitarrist Andrew York kokettiert in seinem für das „Los Angeles Guitar Quartett“ geschriebenen Werk „Dreadlocked“ mit Rhythmen und Klangfarben des jamaikanischen Reggaes. Das MOZ interpretierte das für diesen Auftritt bearbeitete Stück mit viel Verve und Spielwitz.
Mit großem Applaus bedankte sich das Publikum beim MOZ und allen Beteiligten für das gelungene und abwechslungsreiche Konzert zum Frühlingsbeginn.










